Programm: Jubiläumsfeier in Görlitz
100 Jahre Historische Kommission für Schlesien

Eine Festveranstaltung der Historischen Kommission für Schlesien
in Kooperation mit dem Schlesischen Museum zu Görlitz

Samstag, 9. Oktober 2021, um 9.30 Uhr
im Schlesischen Museum zu Görlitz, Brüderstraße 8

Musikalische Umrahmung durch
Mitglieder der Neuen Lausitzer Philharmonie:

Max Hilfenhaus, Violine
Tadeusz Rożek, Viola
Markus Wehrle, Violoncello

Musikalische Eröffnung
Günter Bialas (1907 Bielschowitz O.S. – 1995 Glonn Obb.)
Trio für Violine, Viola und Violoncello
Sinfonia

Begrüßung
Dr. Agnieszka Gąsior, Schlesisches Museum zu Görlitz
Prof. Dr. Joachim Bahlcke, Historische Kommission für Schlesien

Grußworte

Prof. Dr. Matthias Weber, Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der
Deutschen im östlichen Europa, Oldenburg i.O.
Prof. Dr. Tomasz Jurek, Tadeusz-Manteuffel-Institut für Geschichte der
Polnischen Akademie der Wissenschaften, Warschau/Warszawa
Lisa Haberkern M.A., Stiftung Kulturwerk Schlesien, Würzburg

Musikalisches Zwischenspiel
Aria

Festvortrag
Prof. Dr. Jan Harasimowicz, Universität Breslau/Wrocław
„Das Kultur- und Geistesleben Breslaus im späten Kaiserreich und in den ersten Jahren der Weimarer Republik“

Musikalischer Ausklang
Gavotte

Kaffeepause

Podiumsdiskussion zur Festschrift „Landesgeschichte im Spannungsfeld von Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit. Die Historische Kommission für Schlesien (1921–2021)“
mit Prof. Dr. Roland Gehrke, Prof. Dr. Ryszard Kaczmarek, Dr. Ulrich Schmilewski und PD Dr. Beate Störtkuhl (Moderation Prof. Dr. Joachim Bahlcke)

Mittagsimbiss

Führung durch das Schlesische Museum durch Dr. Agnieszka Gąsior

Kaffeepause

Stadtführung durch Görlitz
durch Dr. Markus Bauer

Festliches Abendessen im Restaurant Patrizierhaus St. Jonathan

Pressemitteilung: Historische Kommission für Schlesien feiert 100-jähriges Bestehen

Im Jahr 1921 gründeten Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachkulturen in Breslau (heute Wrocław, Polen) die Historische Kommission für Schlesien. Seitdem wird in dem Expertengremium zur Geschichte des Oderlands geforscht und Wissen weitergegeben. Heute kann die länderübergreifende Vereinigung nicht nur eine beachtliche Zahl von Publikationen vorweisen, sondern auch auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. In diesem Jahr feiert sie ihr hundertjähriges Bestehen.

Schlesische Geschichte wird unterdessen als ein Teil der gemeinsamen Geschichte dreier Staaten – Deutschland, Polen und Tschechien – betrachtet. Um dem gerecht zu werden, sucht die Kommission den grenzübergreifenden Austausch zu allen Bereichen der historischen Schlesienforschung. Sie kooperiert mit zahlreichen Institutionen im In- und Ausland, regt Forschungsprojekte an, lädt zu internationalen Konferenzen ein und fördert wissenschaftliche Publikationsvorhaben, die in Zusammenarbeit mit unseren östlichen Nachbarn entstehen. Die Themen, mit denen sich die Kommission auseinandersetzt, sind so vielfältig wie die Herkunft und die Arbeitsfelder ihrer Mitglieder, die nicht nur aus dem gesamten Bundesgebiet, sondern auch aus Polen, Tschechien und Österreich kommen. Aktuell sind es 77 in unterschiedlichen Disziplinen ausgebildete Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Sie alle vereint ein umfangreiches Wissen über die Vergangenheit der Region Schlesien.

In ihre grenzüberschreitende Vermittlungsfunktion ist die Kommission allerdings erst in den vergangenen zwei Jahrzehnten hineingewachsen. Als das Expertengremium vor 100 Jahren in der schlesischen Landeshauptstadt gegründet wurde, waren die Rahmenbedingungen völlig andere als in der Gegenwart. Die landeskundliche Forschung der Kommission wies damals einen engen Bezug zur deutschen Heimat- und Volksgeschichte auf und grenzte sich von der Geschichtsschreibung in den nach dem Ersten Weltkrieg neu entstandenen slawischen Nachbarstaaten, Polen und der Tschechoslowakei, deutlich ab. Die Geburtsstunde der Kommission schlug 1921 im Breslauer Staatsarchiv. Neben Historikern und Archivaren gingen dort auch Kunsthistoriker und Denkmalpfleger, Kartographen, Musikwissenschaftler und Theologen ein und aus. Sie erarbeiteten eine Vielzahl von Fachstudien, konzipierten Nachschlagewerke und leisteten mit gewichtigen Quelleneditionen Grundlagenforschung, die bis heute Bestand hat.

Die Zeit des Nationalsozialismus hinterließ in der Kommissionsgeschichte deutliche Spuren. Im Herbst 1933 musste der damalige Erste Vorsitzende, ein katholischer Geistlicher und Politiker der Zentrumspartei, aus politischen Gründen von seinem Amt zurücktreten. Ihm folgte ein Historiker, der sich mit den Zielen und Methoden des Regimes arrangierte. Einzelne Mitglieder verstrickten sich nach Kriegsausbruch erheblich – sei es als geschichtspolitische Stichwortgeber, sei es durch ihren ganz praktischen „Wissenschaftseinsatz“ im besetzten Polen. Dennoch blieb die Kommission über das Jahr 1933 hinaus ein weltanschaulich offener Wissenschaftsverein, dem weiterhin auch solche Gelehrte angehörten, die der herrschenden Ideologie fernstanden. Die Kriegsumstände brachten die Arbeit der Kommission 1943 zum Erliegen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sah sich die deutsche Schlesienforschung mit der Herausforderung konfrontiert, eine „Landesgeschichte ohne Land“ schreiben zu müssen. Für die Kommission stellte der vollständige Verlust ihres Bezugsterritoriums einen tiefen Einschnitt dar. 1951 wurde der Verein schließlich in der Bundesrepublik Deutschland neu gegründet. Der Neuanfang vollzog sich – ebenso wie im Fall der anderen ostdeutschen Historischen Kommissionen – unter dem Dach des Johann Gottfried Herder-Forschungsrats in Marburg. Nach der Neugründung versuchte die Kommission, an die Breslauer Zeit wieder anzuknüpfen. Man setzte die Herausgabe mittelalterlicher Urkundentexte erfolgreich fort und knüpfte auch bei anderen Themen an die ältere Vereinigung an. An Kooperationen mit Experten aus dem östlichen Europa war zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht zu denken. Es vergingen Jahrzehnte, bis erste Kontakte über den Eisernen Vorhang hinweg möglich wurden. Erst mit dem Ende der europäischen Blockspaltung begann eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen der deutschen, der polnischen und der tschechischen Schlesienforschung. Heute zählt die Kommission zu den renommiertesten Institutionen, die sich in Deutschland mit der Kultur und Geschichte des östlichen Mitteleuropa beschäftigen. Auch die Bundesregierung schätzt die Arbeit des Gremiums und leistet finanzielle Unterstützung.

Zum hundertjährigen Bestehen plante die Kommission ursprünglich einen großen Festakt mit begleitender Jubiläumstagung in Breslau/Wrocław. Aufgrund der Planungsunsicherheit wegen der Corona-Pandemie finden die Feierlichkeiten nun stattdessen im engeren Kreis der Kommission am 9. Oktober 2021 in Görlitz statt. Zu ihrem Jubiläum legt die Kommission ein zweibändiges, mehr als tausend Seiten umfassendes Werk zur eigenen Vergangenheit vor:

Bahlcke, Joachim/Gehrke, Roland/Schmilewski, Ulrich (Hg.): Landesgeschichte im Spannungsfeld von Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit. Die Historische Kommission für Schlesien (1921–2021), Bd. 1: Darstellung, Bd. 2: Dokumentation. Leipzig 2021.

Kontakt für Rückfragen:

Prof. Dr. Joachim Bahlcke (Erster Vorsitzender der Historischen Kommission für Schlesien)
Universität Stuttgart, Historisches Institut, Keplerstraße 17, D-70174 Stuttgart
email: joachim.bahlcke@hi.uni-stuttgart.de

Hinweis: Trilogie zur Historiographiegeschichte Schlesiens im langen 19. Jahrhundert

Inzwischen sind alle Titel unserer Trilogie zur Historiographiegeschichte Schlesiens im langen 19. Jahrhundert erschienen und im Handel erhältlich:

Bahlcke, Joachim/Gehrke, Roland (Hg.): Institutionen der Geschichtspflege und Geschichtsforschung in Schlesien. Von der Aufklärung bis zum Ersten Weltkrieg. Köln/Weimar/Wien 2017 (Neue Forschungen zur Schlesischen Geschichte 26).

Bahlcke, Joachim/Gehrke, Roland (Hg.): Gelehrte – Schulen – Netzwerke. Geschichtsforscher in Schlesien im langen 19. Jahrhundert. Köln/Weimar/Wien 2020 (Neue Forschungen zur Schlesischen Geschichte 28).

Bahlcke, Joachim/Gehrke, Roland (Hg.): Epochen – Themen – Methoden. Geschichtsschreibung in Schlesien vom späten 18. Jahrhundert bis 1914. Wien/Köln/Weimar 2021 (Neue Forschungen zur Schlesischen Geschichte 30).

Weitere Informationen zu den einzelnen Bänden und das Bestellformular finden Sie hier:
Bestellformular

Aktuelle Neuerscheinung:
Schlesische Lebensbilder, Bd. 13

Bahlcke, Joachim (Hg.): Schlesische Lebensbilder, Bd. 13. Würzburg 2021. ISBN 978-3-929817-11-9

Der neue Band der Reihe Schlesische Lebensbilder ist seit kurzem im Buchhandel erhältlich. In 33 chronologisch vorgelegten Biographien stellt er Persönlichkeiten vor, die entweder aus dem schlesischen Kulturraum stammen oder diesen durch ihr Wirken in besonderer Weise geprägt haben: kirchliche und weltliche Würdenträger, adelige Mäzene und bürgerliche Aufklärer, Gelehrte verschiedener Fachbereiche, Schriftsteller, Verleger, Schauspieler und Politiker. Es sind Angehörige ganz unterschiedlicher Stände, Bevölkerungsgruppen und Epochen – von Thomas II., Bischof von Breslau, der 1292 starb und im Breslauer Dom bestattet wurde, bis hin zu dem aus Oberschlesien gebürtigen Historiker Josef Joachim Menzel, dem langjährigen Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden der historischen Kommission für Schlesien, der 2020 im Alter von 87 Jahren in Mainz verstorben ist. Wie der Vorgängerband ist auch dieses Buch ein Gemeinschaftswerk von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterschiedlicher Fachdisziplinen aus dem In- und Ausland.

Ankündigung: Jubiläumsfeier in Görlitz
100 Jahre Historische Kommission für Schlesien

Die Jubiläumsfeier zum 100jährigen Bestehen unserer Kommission werden wir am 9. Oktober 2021 im Schlesischen Museum zu Görlitz begehen.

Die Mitgliederversammlung wird am Freitag, den 8. Oktober von 17.00-19.00 Uhr stattfinden.

Die eigentliche Feier am Sonnabend, den 9. Oktober, wird nach verschiedenen Grußworten mit dem Festvortrag von unserem Mitglied Prof. Dr. Jan Harasimowicz zum Thema „Das Kultur- und Geistesleben Breslaus im späten Kaiserreich und in den ersten Jahren der Weimarer Republik“ beginnen. Im Anschluss findet eine ausführliche Buchpräsentation der Festschrift der Historischen Kommission statt, die wir mit Autorinnen und Autoren in Form einer Podiumsdiskussion durchführen wollen. Vorgesehen sind im Anschluss ferner eine Museumsführung sowie der Besuch ausgewählter Sehenswürdigkeiten in Görlitz. Für den Abend ist ein gemeinsames festliches Abendessen geplant.

Abgesagt: Jubiläumstagung 2021 in Breslau

Nach einem schwierigen Jahr Corona-Pandemie ist unverändert kein zeitliches Ende der Einschränkungen und der Regeln im täglichen Umgang mit Kontakten im öffentlichen Leben und so auch in der akademischen Praxis erkennbar. Dies zwingt uns leider dazu, die für Oktober 2021 geplante Jubiläumstagung in Breslau – und zusammen damit die vor Ort geplanten Feierlichkeiten zum 100jährigen Bestehen unserer Kommission – abzusagen.

Das geplante Arbeitsvorhaben „Im Spannungsfeld von Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit. Geschichtsschreibung und Geschichtskultur in Schlesien während der Weimarer Republik“ werden wir als Buchprojekt weiterverfolgen.

Ankündigung: Neuerscheinungen

Geplante Neuerscheinungen im Frühjahr 2021

Dokumentation der Jahrestagung der Historischen Kommission für Schlesien in Halle a. d. Saale, 26. bis 28. September 2019:
Bahlcke, Joachim/Gehrke, Roland (Hg.): Epochen – Themen – Methoden. Geschichtsschreibung in Schlesien vom späten 18. Jahrhundert bis 1914. Wien/Köln/Weimar 2021 (Neue Forschungen zur Schlesischen Geschichte 30).

Kommissionsgeschichte:
Bahlcke, Joachim/Gehrke, Roland/Schmilewski, Ulrich (Hg.): Landesgeschichte im Spannungsfeld von Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit. Die Historische Kommission für Schlesien (1921–2021), Bd. 1: Darstellung, Bd. 2: Dokumentation. Leipzig [2021].

Schlesische Lebensbilder:
Bahlcke, Joachim (Hg.): Schlesische Lebensbilder. Bd. 13. Würzburg 2021.

Hinweis: Tagungsbericht

Vom 26. bis zum 28. September 2019 fand in Halle an der Saale die internationale wissenschaftliche Fachtagung „Historiographie in Schlesien zwischen Aufklärung und Erstem Weltkrieg: Epochen – Themen – Methoden“ statt. Die Tagung wurde von der Historischen Kommission für Schlesien in Kooperation mit den Franckeschen Stiftungen zu Halle veranstaltet und von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. Sie bildete den Abschluss einer dreiteiligen Tagungsreihe, die im Hinblick auf das 100-jährige Bestehen der Historischen Kommission im Jahr 2021 konzipiert wurde.

Im Mittelpunkt des Austauschs, zu dem deutsche und polnische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit verschiedenen Forschungsschwerpunkten zusammenkamen, stand die Geschichtsschreibung in Schlesien zwischen Spätaufklärung und Erstem Weltkrieg. Die Tagung beleuchtete dabei sowohl die editorische Grundlagenarbeit an den Quellen als auch die Auswahl der einzelnen Epochen und die konkreten Themen, mit denen schlesische Geschichtsforscher sich vornehmlich beschäftigten…

Den vollständigen Tagungsbericht lesen Sie hier

 

Einige bildliche Eindrücke vom Begleitprogramm der Tagung

Besichtigung der Kunst- und Naturalienkammer der Franckeschen Stiftungen.

Blick in die Bestände der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen.

Rundgang durch die „Wortgewalten“-Ausstellung im Interdisziplinären Zentrum für die Erforschung der Europäischen Aufklärung (IZEA).

Internationale Fachtagung

Historiographie in Schlesien zwischen Aufklärung und Erstem Weltkrieg:
Epochen – Themen – Methoden

Internationale Fachtagung der Historischen Kommission für Schlesien in Verbindung mit den Franckeschen Stiftungen – Halle an der Saale, 26. bis 28. September 2019

Wissenschaftliche Leitung
Prof. Dr. Joachim Bahlcke, apl. Prof. Dr. Roland Gehrke

Tagungsort
Franckesche Stiftungen zu Halle
Franckeplatz 1, Haus 37
06110 Halle (Saale)

Förderung
Die Tagung wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Tagungsprogramm