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Adel in Schlesien

Projekt: Szlachta na Šląsku - Adel in Schlesien Deutsch-polnisches Kooperationsprojekt zur Geschichte Schlesiens: Adel in Schlesien - Herrschaft, Kultur, Selbstdarstellung Kulturwissenschaftler mehrerer Universitäten und wissenschaftlicher Institute (Breslau/Wrocław, Dresden, Oldenburg, Passau, Stuttgart) haben sich unter der Leitung des Kunsthistorikers Jan Harasimowicz (Universität Breslau) und des Historikers Matthias Weber (Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Oldenburg) zusammengefunden, um innerhalb von drei Jahren untereinander vernetzte Teilvorhaben zum Thema "Adel in Schlesien - Herrschaft, Kultur, Selbstdarstellung" zu realisieren. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Nachwuchsförderung: Vier Stipendien bieten Doktoranden aus Deutschland und Polen die Möglichkeit des intensiven fachlichen Austauschs in einem Graduiertenkolleg und die Chance, für längere Zeit im jeweiligen Nachbarland zu arbeiten. Als Ergebnisse werden mehrere Grundlagenwerke zur Thematik erwartet. Gesteigertes wissenschaftliches Interesse an Kultur und Geschichte des Adels in Schlesien ist sowohl deutscher- als auch polnischerseits zu erkennen. Es fehlt nicht an Fallstudien und Detailanalysen über dieses Thema. Ein dringendes Desiderat der Forschung stellt jedoch die Bündelung der Ergebnisse der Einzeluntersuchungen im Rahmen einer kulturwissenschaftlichen Zusammenschau auf der Grundlage bilateraler, interdisziplinärer Kooperation dar. Aufbauend auf bisher geleistete Forschungen sollen bei dem im Jahr 2005 begonnenen, interdisziplinär konzipierten Vorhaben größere wissenschaftliche Einheiten der politischen Geschichte, der kulturellen Wirkung und des Selbstverständnisses des schlesischen Adels in den Mittelpunkt gestellt und zusammenfassend im aktuellen Wissenschaftsdiskurs behandelt werden. In untereinander vernetzten Teilvorhaben kooperieren dabei Kulturwissenschaftler mehrerer Universitäten und Forschungseinrichtungen in Deutschland und Polen. Im Kontext der erweiterten Europäischen Union gewinnt die Thematik eine besondere Aktualität, da Kultur und Geschichte des Adels kein nationales, sondern ein nationenübergreifendes Phänomen darstellen, das nur im größeren europäischen Kontext adäquat diskutiert werden kann. Die Finanzierung wird von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und von polnischen Institutionen gesichert. Das Projekt setzt im Rahmen eines bilateralen Graduiertenkollegs einen besonderen Akzent auf die Nachwuchsförderung. Im Oktober 2006 sollen die Ergebnisse auf einer Internationalen Fachtagung in Breslau vorgestellt werden. Folgende Teilprojekte werden realisiert: 

  • Das Repertorium "Adel in Schlesien: Quellenkunde, Bibliographie, Forschungsperspektiven" (Leitung: Joachim Bahlcke, Universität Stuttgart, Marian Ptak, Universität Breslau/Wrocław) soll ein nach modernen Standards konzipiertes Hilfsmittel liefern, das die bisherigen Forschungen zum schlesischen Adel in unterschiedlichen Nationalhistoriographien bilanziert, zentrale Quellenbestände sowie die vornehmlich durch die Konfliktgeschichte des 20. Jahrhunderts zerstörte Überlieferung dokumentiert, einen umfassenden bibliographischen Zugang bietet und darüber hinaus Impulse für eine vergleichende europäische Adelsforschung gibt.
  • Im Rahmen des Graduiertenkollegs: "Genealogie und Repräsentation. Formen und Funktionen adliger Kultur in Schlesien in der Neuzeit" (Leitung: Thomas Wünsch, Universität Passau) werden von einer deutsch-polnischen Jury vier Promotionsstipendien vergeben. Neben der wissenschaftlichen Exzellenz soll dabei die interkulturelle Kompetenz gefördert werden, indem die Kollegiaten abwechselnd in Deutschland und in Polen arbeiten.
  • Das Teilprojekt "Schlesisches Arkadien. Adel, Semantik und Landschaftsprojektion in der Frühen Neuzeit und in der Ära der Romantik" (Leitung: Walter Schmitz, Dresden, Mirosława Czarnecka, Wrocław) analysiert die kulturelle Repräsentation des schlesischen Adels aus literatur- und kunsthistorischer Perspektive. Mit der Frühen Neuzeit und der "Achsenzeit um 1800" stehen jene beiden Umbruchszeiten im Mittelpunkt, die Position, Funktion und Mentalität des Adels nachhaltig prägten bzw. veränderten.
  • Das Projekt "Gedächtniskultur des schlesischen Adels vom Spätmittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts am Beispiel des Fürstentums Liegnitz" (Leitung: Jan Harasimowicz, Wrocław) widmet sich der interdisziplinären Erforschung der vielfältigen bildlichen und literarischen Manifestationen der Gedächtniskultur des Adels in Schlesien während der Frühen Neuzeit. Ein zentraler Aspekt ist die Dokumentation vom Verfall bedrohter Epitaphien.