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PD Dr. Jörg Deventer

Projekt „Die Nostitz. Eine Fallstudie zu Herrschaft, Kultur und Selbstrepräsentation katholischer Adelseliten in den böhmischen Kronländern (ca. 1560-1720)“ (Monografie)

Die Studie versteht sich als ein Beitrag zu der Herausbildung einer transterritorialen „österreichischen Aristokratie“ in der Habsburgermonarchie im Zeitraum zwischen 1580 und 1740. Am Beispiel der in Schlesien, Böhmen und im „Kernreich“ begüterten Adelsfamilie Nostitz soll im Kontext der von den Habsburgern realisierten Herrschaftskonsolidierung und Staatsbildung den Integrations- und Umgruppierungs-prozessen in den adeligen Führungsschichten nachgegangen werden. In den Blick genommen werden dabei die Kontakte und Bindungen zum Kaiserhof, Bildungs- und Karrierewege, Besitz- und Familienstrategien (Akkumulation von Grundbesitz und Besitzsicherung durch Fideikommisse; Heiratshorizonte, Verwandtschaft, Klienten) sowie Lebensstil und Repräsentationskultur. Auf einer zweiten Untersuchungsebene stehen die Aktivitäten katholischer Adeliger in ihrer Rolle als konfessionalisierende Obrigkeit in dem politisch-kirchlichen Handlungsraum „Grundherrschaft“ im Zentrum der Betrachtung. Gefragt wird nach den Methoden, Instrumenten und Zielen konfessioneller Formierung und sozialer Disziplinierung auf den Herrschaften und Gütern sowie den Reaktionen der ländlichen und städtischen Bevölkerung. Besonders zu beachten ist dabei erstens die Interaktion zwischen lokalen Herrschaftsvermittlern und Untertanen im Prozess der Implementierung neuer Normen und zweitens die von außen auf die lokalen Kontexte einwirkenden Akteure und Institutionen (z.B. zentralstaatliche Richtlinien und Verfügungen landesfürstlicher und kirchlicher Behörden). Über die Einbeziehung weiterer situativer, sozialer und kommunikativer Kontexte im politisch-öffentlichen Raum (Tätigkeitsprofil in Ämtern der Zentral- und Regionalverwaltung, Stiftungen und Schenkungen) und im Bereich von Privatleben, Familie und „Freundschaft“(Konversion, Proselytenmacherei, Stiftung von Hauskirchen, Mäzenatentum, Korrespondenz mit Gelehrten) sollen konfessionelle und nicht-konfessionelle Orientierungen des katholischen Adels identifiziert werden.

 

Projekt „Rekatholisierung aus der Nähe. Das Protokoll der kaiserlichen Reformationskommission in den schlesischen Fürstentümern Schweidnitz und Jauer 1653/54“ (Edition)

Bei der zu edierenden Handschrift handelt es sich um das in Form eines Tagebuchs geführte Protokoll der landesfürstlichen Reformationskommission in dem niederschlesischen Doppelfürstentum Schweidnitz-Jauer. Verfasst von dem Leiter der Kommission, dem kaiserlichen Obristleutnant Christoph von Churschwandt (im Volksmund auch „Churschwanz“ genannt), schildert die Quelle im Zeitraum vom 8. Dezember 1653 bis zum 23. April 1654 die „Einziehung“ der auf den Herrschaften des überwiegend protestantischen Landadels liegenden evangelischen Dorf- und Stadtkirchen und deren Übergabe an katholische Pfarrer und Ordensgeistliche.
Das Protokoll dokumentiert für die Zeit nach dem Westfälischen Frieden von 1648 die Methoden und das enge Zusammenwirken von weltlichen und geistlichen Herrschafts- und Amtsträgern im Rahmen der katholischen Konfessionalisierung. Darüber hinaus gibt die Quelle Auskunft darüber, über welche personellen Ressourcen Kirche und Staat nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges überhaupt verfügten, um in Schlesien den Katholizismus nachhaltig zu stärken. Ferner vermittelt der Text wertvolle Einblicke nicht nur in Praktiken des Widerstands und des Protests, sondern auch in unterschiedlichste Formen von Gehorsam, kreativer Anpassung und Opportunismus – und zwar sowohl von Seiten der Untertanen, als auch von Seiten der adeligen Grundherren. Schließlich bietet die Quelle für rund 250 Pfarreien adeliger (evangelischer und katholischer) und geistlicher Grundherren detaillierte Informationen über Besitz- und Patronatsverhältnisse, den Zerstörungsgrad von Dörfern und landwirtschaftlichen Flächen nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, die Steuerkraft einer Pfarrpfründe sowie über den Bauzustand von Dorf- und Stadtkirchen und deren Innenausstattung.