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Breslauer Verlage 1800-1945

Prof. Dr. Detlef Haberland

Breslauer Verlage 1800–1945: Deutsch-polnisches Kooperationsprojekt zur Erforschung der medialen Repräsentanz und Wirkung einer Grenzregion

Die Bedeutung der schlesischen Hauptstadt Breslau für das Verlagswesen in der Neuzeit wurde bislang unterschätzt. Die Verlage trugen entscheidend zum kulturellen Profil der Stadt selbst sowie ganz Schlesiens bei. Für das alte Breslau charakteristisch sind sein polnischer Bevölkerungsanteil, seine bedeutende jüdische Gemeinde sowie die Nachbarschaft zu Polen und Böhmen. Breslau war 1870 der sechstgrößte Verlagsstandort im Deutschen Reich (nach Berlin, Leipzig, Stuttgart, München und Dresden). Zwar gab es in anderen schlesischen Städten ebenfalls alteingesessene Druckereien, Verlage und Buchhandlungen, doch war deren Radius schon allein aufgrund der örtlichen Leser- und Käuferschaft äußerst beschränkt. In Breslau dagegen bildeten Beamtentum, Wissenschaft und Wirtschaft, denen im Jahr 1906 etwa ein Fünftel der Stadtbevölkerung zugeordnet werden können, eine große und kaufkräftige Leserschaft.
Im Rahmen eines vorbereitenden, DFG-geförderten deutschpolnischen Workshops (2009) wurde einerseits die Bedeutung der verlegerischen Aktivitäten in Breslau herausgearbeitet, andererseits festgestellt, dass die Verlagslandschaft der Stadt zwischen 1800 und 1945 – im Gegensatz zur Buch- und Druckgeschichte im Schlesien der Frühen Neuzeit – praktisch unerforscht ist. Hier setzte das durch den BKM geförderte Forschungsvorhaben an, das von Wissenschaftlern aus Deutschland und Polen unter der fachlichen Leitung von Prof. Dr. Siegfried Lokatis (Universität Leipzig), Prof. Dr. Urszula Bonter (Universität Breslau/Wrocław) und Prof. Dr. Detlef Haberland (BKGE) durchgeführt wird. In der laufenden Projektphase werden wichtige Verlage wie Hirt, Trewendt, Korn, Marcus, Priebatsch, Schottlaender, aber auch der Gauverlag NS-Schlesien exemplarisch untersucht. Im Mittelpunkt stehen personelle Strukturen, Programmgestaltung, Vertrieb und Rezeption. Darüber hinaus sind Aufschlüsse über die Vernetzung des Verlagsstandortes Breslau, der mehr als 300 Verlage beherbergte, mit Polen sowie mit Böhmen bzw. der Tschechoslowakei zu erwarten. Die Einzelanalysen, die gegenwärtig erarbeitet werden, stützen sich weitgehend auf bislang unbearbeitetes oder unbekanntes Material in deutschen und polnischen Archiven – auf der Quellenerschließung liegt ein spezifischer Akzent des Projekts.