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Prof. Dr. Joachim Bahlcke

Projektbereich "Schlesische Geschichte"

Der Projektbereich Schlesische Geschichte wurde 1985 begründet und ist gegenwärtig die einzige voll in ein Universitätsinstitut integrierte Forschungseinrichtung mit Ausrichtung auf Themen zur schlesischen und ostmitteleuropäischen Geschichte. Seit seiner Gründung ist der Projektbereich bestrebt, die lange Zeit vorherrschenden, ausschließlich nationalgeschichtlichen Fragestellungen zu überwinden und Geschichte und Kultur Schlesiens in einen gesamteuropäischen Kontext zu stellen. Diesem Ziel dienen zahlreiche Kontakte und Kooperationen mit Forschungseinrichtungen in Deutschland, Polen und Tschechien. Wegen des erheblichen Nachholbedarfs im Bereich der ostmitteleuropäischen Geschichte ist das Angebot an offenen wissenschaftlichen Fragen, die sich auch für Abschlussarbeiten und Promotionen eignen, besonders groß. Interessierte Studierende können hierfür auf die zum Projektbereich gehörende Handbibliothek zurückgreifen, die mittlerweile über 5.000 Titel zur schlesischen Geschichte umfasst, darunter eine wertvolle und einzigartige Sammlung von Altdrucken des 17. und 18. Jahrhunderts.

Publikation:
Die Forschungsergebnisse des Projektbereichs werden unter anderem in der eigenen Buchreihe „Neue Forschungen zur Schlesischen Geschichte“ veröffentlicht, die von Prof. Dr. Joachim Bahlcke herausgegeben wird. In ihr sind seit 1992 bislang 23 Bände erschienen.

Link:
http://www.boehlau-verlag.com/Neue_Forschungen_zur_Schlesischen_Geschichte.htm

 

Projekt "Adel in Schlesien"

Die Beschäftigung mit dem europäischen Adel kennt vielfältige Konjunkturen, zeitliche sowie räumliche Schwerpunkte und länderspezifische Forschungsinteressen. Hinzu kamen vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts politisch und ideologisch bedingte Ab- und Ausgrenzungen. In Ostmittel- und Osteuropa war ein unvoreingenommener Blick auf adelige Familien, Lebenswelten und Herrschaftsstile lange Zeit faktisch unmöglich. Seit zwei Jahrzehnten haben sich die Rahmenbedingungen jedoch grundlegend gewandelt: Vor allem jüngere Historiker in Polen und Tschechien interessieren sich immer stärker für den Adel in früherer Zeit. Neue Wege beschritt in diesem Zusammenhang das im Jahr 2005 begonnene Forschungsprojekt „Adel in Schlesien / Szlachta na Śląsku“, in dem Historiker, Kunsthistoriker, Literatur- und Kulturwissenschaftler aus Deutschland, Polen und Tschechien zahlreiche Themenfelder bearbeiteten: von Formen adeliger Repräsentation und Lebensführung im Mittelalter über Aspekte der frühneuzeitlichen Wirtschafts-, Bildungs- und Kulturgeschichte bis hin zu Fragen von Krisenerfahrung, Elitentransformation und Selbstverständnis im 20. Jahrhundert.

An diesem trilateralen Forschungsprojekt war der Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit in zweifacher Form beteiligt: Zum einen war Stuttgart eine der vier Partneruniversitäten in einem Internationalen Graduiertenkolleg und damit Gastgeber für polnische Studierende, zum anderen entstand hier mit dem „Repertorium Adel in Schlesien“ das bisher umfangreichste Buch des gesamten Projekts.

Publikation:
Bahlcke, Joachim/Mrozowicz, Wojciech (Hg.): Adel in Schlesien, Bd. 2: Repertorium. Forschungsperspektiven – Quellenkunde – Bibliographie. München 2010 (Schriften des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa 37).

Link:
http://www.bkge.de/15635.html

 

Projekt "Geschichte Oberschlesiens"

Oberschlesien ist eine Region in der Mitte Europas, in deren Geschichte sich über lange Jahrhunderte der Kultur-, Wissens- und Ideentransfer zwischen dem europäischen Westen und Osten beispielhaft beobachten lässt und die seit dem Mittelalter – obwohl politisch und rechtlich stets Teil einer der benachbarten Territorialgewalten – eine eigene, unverwechselbare Identität besitzt. Dies hatte auch zur Folge, dass ihre Geschichte immer wieder in anderen Zusammenhängen dargestellt, umgeschrieben und politisch instrumentalisiert wurde. In dem soeben im oberschlesischen Gleiwitz (Gliwice) erschienenen Band „Historia Górnego Śląska. Polityka, gospodarka i kultura europejskiego regionu“ [Geschichte Oberschlesiens. Politik, Wirtschaft und Kultur einer europäischen Region], der von der frühen Besiedlung des Raumes bis zur Gegenwart einen weiten Bogen schlägt, werden die verschiedenen Blickwinkel zum ersten Mal zusammengeführt, wobei nicht die Konflikte mit den Nachbarn, sondern der Austausch mit ihnen im Vordergrund steht.

Der vorliegende Sammelband ist das Ergebnis einer beinahe zehnjährigen intensiven Zusammenarbeit von Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen aus Polen, Tschechien und Deutschland – aus den drei Staaten also, zu denen Oberschlesien in der Vergangenheit am längsten gehört hatte. Herausgeber dieses Werkes sind Prof. Dr. Joachim Bahlcke von der Universität Stuttgart, Prof. Dr. Dan Gawrecki von der Schlesischen Universität Troppau (Slezská univerzita v Opavě) und Prof. Dr. Ryszard Kaczmarek von der Schlesischen Universität Kattowitz (Uniwersytet Śląski w Katowicach). Die einzelnen Beiträge wurden nicht nur von zahlreichen Historikern, sondern auch von Kunsthistorikern, Literaturwissenschaftlern und anderen Kulturwissenschaftlern verfasst. Koordiniert wurde das trinationale Projekt vom Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit (Dom Współpracy Polsko-Niemieckiej) in Gleiwitz.

Publikation:
Eine deutsche Ausgabe, die beim Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa erscheinen soll, ist in Vorbereitung.

Link:
http://www.haus.pl/de/news-42.html

 

Projekt "Erinnerung – Identität – Traditionsstiftung: Historisch-Kritische Edition der Tagebücher von Rudolf von Stillfried-Alcántar"

Das wissenschaftliche Editionsprojekt wurde im Jahr 2011 begonnen und wird gefördert mit finanziellen Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Die der Abteilung für Geschichte der Frühen Neuzeit zu Editionszwecken freundlicherweise zur Verfügung gestellten Tagebücher sind Eigentum der schlesischen Grafenfamilie Praschma. Das Vorhaben knüpft an die beiden bereits abgeschlossenen Projekte „Adel in Schlesien“ [Harasimowicz, Jan/Weber, Matthias (Hg.): Adel in Schlesien, Bd. 1: Herrschaft - Kultur - Selbstdarstellung (Schriften des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa 36). München 2010; Bahlcke, Joachim/Mrozowicz, Wojciech (Hg.): Adel in Schlesien, Bd. 2: Forschungsperspektiven – Quellenkunde – Bibliographie (Schriften des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa 37). München 2010] und „Schaffgotsch“ [Bahlcke, Joachim/Schmilewski, Ulrich/Wünsch, Thomas (Hg.): Das Haus Schaffgotsch. Konfession, Politik und Gedächtnis eines schlesischen Adelsgeschlechts vom Mittelalter bis zur Moderne. Würzburg/Freiburg i. Br. 2010], an.

Monarchisches Zeremoniell, dynastische Erinnerungskultur und architektonische Herrschaftsrepräsentation sind Phänomene, die in der jüngeren historischen Forschung breite Aufmerksamkeit im Kontext kulturwissenschaftlicher Fragestellungen erfahren haben. Dies gilt freilich nur bedingt für die verantwortlichen Figuren im Hintergrund, die hohen höfischen Beamten und Zeremonienmeister, die die Repräsentation und die Memoria der europäischen Herrscherhäuser seit der Frühen Neuzeit maßgeblich prägten. In diese Kategorie gehört mit dem Freiherrn – beziehungsweise später dem Grafen – Rudolf von Stillfried-Alcántara (1804-1882) auch ein Schlesier, der fast sein gesamtes Leben in den Dienst der Hohenzollernmonarchie stellte, dessen Wirken in der Forschung bislang aber nur gestreift wurde.

Geboren und aufgewachsen im niederschlesischen Hirschberg, ließ Stillfried sich nach seiner schulischen Ausbildung und einem Jurastudium in Breslau zunächst auf seinen niederschlesischen Ländereien nieder und begann eine rege Publikationstätigkeit zu dynastisch-heraldischen Fragen sowie zur Geschichte des Hauses Hohenzollern. Seine enge Bekanntschaft mit dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm ermöglichte ihm nach dem Thronwechsel von 1840 eine glänzende Karriere am Berliner Hof. Stillfried diente Friedrich Wilhelm IV. und später dann dessen Bruder und Nachfolger Wilhelm I. mehrere Jahrzehnte lang als Oberzeremonienmeister, Direktor des Königlichen Hausarchivs und Leiter des für Adelsfragen zuständigen Heroldsamtes.

In diesen Funktionen oblag ihm die Pflege der monarchisch-dynastischen Symbolik – Fahnen, Wappen, Siegel, Orden etc. – ebenso wie die Organisation aller zentralen Jubiläums- und Krönungsfeierlichkeiten, etwa der prunkvollen Krönungszeremonie Wilhelms I. 1861 in Königsberg. Zu diesem Anlass wurde Stillfried in den preußischen Grafenstand erhoben, nachdem ihm sein Einsatz bei der Vermählung einer Prinzessin von Hohenzollern-Sigmaringen mit Pedro V. von Portugal drei Jahre zuvor bereits den portugiesischen Titel eines Grafen von Alcántara eingebracht hatte. Der Nachwelt bekannt geworden ist sein Name nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem maßgeblich von ihm initiierten und 1867 abgeschlossenen Wiederaufbau der Burg Hohenzollern bei Hechingen, in dessen Verlauf er vor allem das ikonographische Programm verantwortete.

Im Zentrum des Projekts steht die historisch-kritische Edition der insgesamt 31 Tagebücher Graf Stillfried-Alcántaras, die (mit Ausnahme von drei erst vor kurzem an das Geheime Staatsarchiv in Berlin-Dahlem abgegebenen Tagebüchern) der Forschung bisher unbekannt waren. Seit dem Revolutionsjahr 1848 wurden sie bis zum Tod des Autors 1882 mit bestechender Regelmäßigkeit geführt; sie enthalten zudem eigene Skizzen (Denkmäler, Grablegen, Schlossbauten), Zeitungsartikel, Fotographien, Briefe, Visitenkarten und andere persönliche Dokumente. Bestandteil der Edition werden, von der Transskription des handschriftlichen Originaltextes abgesehen, eine wissenschaftliche Einführung, ein textkritischer Apparat sowie ein detaillierter Anhang (Sach-, Personen- und Ortsindex mit Konkordanz) sein.

Flankiert wird die Edition von zwei Fachtagungen, die zum einen Leben und Werk Graf Stillfried-Alcántaras aus der Perspektive verschiedener Einzeldisziplinen beleuchten, zum anderen die spezifische Bedeutung von dessen Tagebüchern im Vergleich mit anderen Egodokumenten des 19. Jahrhunderts zum Ausdruck bringen sollen. Die inhaltlichen Ergebnisse sowohl der eigentlichen Edition als auch der begleitenden Forschungstätigkeit sollen zudem in Form zweier monographischer Abhandlungen zusammengeführt werden.

Leitung:
Prof. Dr. Joachim Bahlcke, PD Dr. Roland Gehrke

Mitarbeiter:
Susanne Mall M.A.

Link:
http://www.uni-stuttgart.de/hifnz/index.html

 

Projekt "Edition des Reisetagebuchs von Friedrich Lucae (1644-1708)"

Im Mittelpunkt des von der Historischen Kommission für Schlesien geförderten Projekts steht die Edition des Reiseberichts, den der schlesische Theologe, Geschichtsschreiber (Pseudonym Friedrich Lichtstern) und Korrespondenzpartner Gottfried Wilhelm Leibniz’ im Jahr 1667 verfasste.

Link: 
http://www.uni-stuttgart.de/hifnz/index.html

 

Internationale Fachtagung in Liegnitz/Polen

Vom 27. bis 30. Juni 2013 findet in Liegnitz/Polen eine Internationale Fachtagung der Historischen Kommission für Schlesien und des Instituts für Europäische Geschichte Mainz mit dem Titel „Die Reformierten in Schlesien. Vom 16. Jahrhundert bis zur Altpreußischen Union von 1817“ statt.

Leitung:
Prof. Dr. Joachim Bahlcke, Prof. Dr. Irene Dingel