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Dr. Christian Lotz

"Die anspruchsvollen Karten. Polnische, ost- und westdeutsche Auslandsrepräsentationen und der Streit um die Oder-Neiße-Grenze, 1945–1972"

Landkarten sind ein ausdrucksstarkes Mittel, um politische Ziele und territoriale Ansprüche darzustellen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war insbesondere die Abbildung der deutsch-polnischen Grenze auf Landkarten umstritten. Die Bundesregierung beharrte zunächst auf dem Grenzverlauf von 1937. Die Regierungen Polens und der DDR hingegen einigten sich schon 1950 auf die Oder-Neiße-Grenze. Christian Lotz zeigt, welche kartographischen Anstrengungen beide Seiten unternahmen, um ihre jeweilige Position durchzusetzen. Er untersucht polnische, ost- und westdeutsche Landkarten, die bei internationalen Messen und Ausstellungen präsentiert wurden.

Das Buch leistet in dreierlei Hinsicht einen wichtigen Beitrag zur historischen Forschung: Während sich bisherige Untersuchungen vor allem auf Schulatlanten konzentrierten, wertet das Buch erstmals systematisch solche Karten aus, die im Ausland verwendet wurden. Zugleich zeigt die Studie eine Möglichkeit auf, die deutsch-polnische Beziehungsgeschichte in einen europäischen Kontext einzubetten. Nicht zuletzt kontrastiert Christian Lotz die bisher gängige These, die westdeutsche Kulturaußenpolitik der Nachkriegszeit wäre durch eine „Haltung der Zurückhaltung“ gekennzeichnet, indem er die heftigen Kontroversen analysiert, die sich im Ausland an westdeutschen Landkarten entzündeten.

Publikation:
Christian Lotz: Die anspruchsvollen Karten. Polnische, ost- und westdeutsche Auslandsrepräsentationen und der Streit um die Oder-Neiße-Grenze, 1945–1972, (=Studien des Leipziger Kreises. Forum für Wissenschaft und Kunst, Band 10). Leipzig (Meine-Verlag) 2011, 108 Seiten, ISBN 978-3-941305-27-4
44 Farbabbildungen, Zusammenfassung in deutscher, polnischer und englischer Sprache